Wikipedia unseriös
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Wikipedia ist unseriös

Jedermann kann bei Wikipedia jeden nur erdenklichen Unsinn eintragen. Irgend eine fachliche Kompetenz ist nicht nötig, um sich dort zu Fragen der Quantenphysik auszulassen oder über den Untergang des Weströmischen Reiches. Eine Gruppe von Administratoren verhindert das Schlimmste; ohne sie wäre das Chaos perfekt, und der Gebrauchswert von Wikipedia würde gegen Null tendieren. Die Administratoren müssen indessen ebenfalls keinerlei Fachkenntnisse nachweisen. Über die Inhalte der angeblichen Enzyklopädie bestimmt per Wahl der Administratoren eine kleine Gruppe von Menschen, die viel Zeit und Leidenschaft in den Ausbau des Projektes investieren.

Das Verfahren ist durchaus nicht demokratisch: hier gewinnt nicht die Mehrheit aller Wikipedia-Nutzer. Dominierend ist vielmehr eine Minderheit mit offenbar umfangreicher Tagesfreizeit, die täglich vor dem Computerbildschirm hockt und Wikipedia weiterstrickt.

Das Verfahren führt in vielen Bereichen zu passablen Ergebnissen. Beispielsweise sind die meisten naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen durchaus brauchbar. Hier scheinen die Konfliktpotentiale begrenzt zu sein, und die offensichtlich überdurchschnittlich gebildeten Autoren pflegen eine angenehme, konstruktive Streitkultur.

Ganz anders geht es bei den „Politikern“ zu. Da Wikipedia einerseits für das Image politischer Akteure eine hohe Bedeutung hat, andererseits aber manipulierbar ist, herrscht auf diesem Feld ein unappetitliches Hauen und Stechen, das immer wieder aus dem Ruder läuft.

Die „Kölnische Rundschau“ berichtete am 8. Dezember 2005 über „falsche Texte“, die Wikipedia schädigen (hier als PDF-Datei dokumentiert). Über den amerikanischen Journalisten John Seigenthaler verbreitete die englischsprachige Ausgabe von Wikipedia die Falschbehauptung, er habe im Verdacht gestanden, in die Ermordung von John F. Kennedy und Robert Kennedy verwickelt gewesen zu sein. In die deutsche Version hatten sich Beiträge aus DDR-Lexika eingeschlichen. Arne Klempert von Wikimedia Deutschland e.V. bemerkte dazu treffend: „Hundertprozentig vertrauen sollte man keiner Quelle.“

Am 13. Januar 2006 legte der „Focus“ mit einer (hier dokumentierten) DPA-Meldung über sachlich falsche Wikipedia-Inhalte nach. Die angebliche Enzyklopädie hatte den Tod des Schweizer Informatikers Bertrand Meyer verkündet, der sich indessen bester Gesundheit erfreute.

Am 31. Januar 2006 nahmen sich „Focus“ (siehe hier) und „Spiegel“ (hier) gleichzeitig des Phänomens politisch tendenziöser Wikipedia-Inhalte an. So hatten amerikanische Kongreß-Abgeordnete ihre eigenen Einträge und die ihrer Gegner mal zum Guten und mal zum Schlechten umschreiben lassen. Wie Wikipedia wirklich funktioniert, verdeutlichen die mehr als 1.000 Veränderungen innerhalb weniger Monate an den Biographien amerikanischer Kongreß-Abgeordneter: wer die größeren personellen Ressourcen in die Manipulation von Wikipedia investieren kann, behält die Oberhand. Quantität schlägt Qualität.

Verbindlich verantwortlich sein will in Deutschland für die Wikipedia-Inhalte niemand. Der Wikimedia Deutschland e.V. - Inhaber der Domain wikipedia.de - hat in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung erfolgreich seinen Standpunkt durchgesetzt, für Streitigkeiten um Falschbehauptungen in der deutschsprachigen Ausgabe der angeblichen Enzyklopädie nicht zuständig zu sein. Wer auf Wikipedia verleumdet wird, muß am Hauptsitz in den USA klagen. Nach amerikanischem Recht. Und das ist darauf ausgelegt, zu ermitteln, ob der Cowboy ein Pferd gestohlen hat und deshalb aufgehängt werden muß, oder ob er unschuldig und also freizulassen ist. - Für alle Fälle, die komplizierter liegen und einer differenzierten Bewertung bedürfen, taugt das an Präzedenzfällen statt an positiv-rechtlichen Normen orientierte amerikanische Rechtssystem nur bedingt. Ein Streit um politische Inhalte, Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen, bei denen es um Deutschland und um Deutsche geht, ist in den USA de facto nicht durchführbar.

Das unappetitlich Hauen und Stechen geht also auf unbestimmte Zeit weiter. Vertrauen sollte man dabei der Quelle Wikipedia wahrlich nicht.

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